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Wohneigentum

Hypothekarzinsen, Tragbarkeit und Ihre Vorsorge

Wer eine Hypothek prüft, schaut zuerst auf den Zinssatz — dabei entscheidet die Tragbarkeitsrechnung der Bank über weit mehr. Sie rechnet mit einem kalkulatorischen Zins, der mit dem tatsächlichen nichts zu tun hat, und sie wird beim Übergang in die Pensionierung noch einmal neu gestellt. Dieser Beitrag erklärt die Mechanik — und was es kostet, Vorsorgekapital ins Eigenheim zu stecken.

Rechtsstand 1. Januar 2026 · Aktualisiert am

Paar steht vor einem Schweizer Einfamilienhaus und blickt zur Fassade

Wie der Hypothekarzins entsteht

Ein Hypothekarzins setzt sich aus zwei Teilen zusammen: den Refinanzierungskosten der Bank und ihrer Marge. Die Refinanzierungskosten folgen dem Kapitalmarkt — kurzfristig der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank, längerfristig den Sätzen für Zinsabsicherungen der jeweiligen Laufzeit. Die Marge ist verhandelbar und hängt von Ihrer Bonität, der Belehnung, dem Objekt und davon ab, wie sehr die Bank Ihr Geschäft will.

Warum hier keine aktuellen Zinssätze stehen

Hypothekarzinsen ändern sich laufend. Eine hier publizierte Zahl wäre in wenigen Tagen falsch und würde Ihnen einen Vergleichswert vortäuschen, den es nicht gibt. Aussagekräftig sind ausschliesslich konkrete Offerten für Ihr Objekt — und die weichen von Schaufensterzinsen regelmässig nach unten ab, wenn man mehrere einholt.

Festhypothek, SARON oder variabel

Die drei gebräuchlichen Hypothekarmodelle
ModellZinssatzPasst für
Festhypothekfix über die gesamte LaufzeitPlanungssicherheit, knappe Tragbarkeit
SARON-Hypothekvariabel, an den Referenzzinssatz SARON plus Marge gekoppeltTragfähigkeit für Schwankungen, mittelfristiger Horizont
Variable Hypothekvon der Bank festgelegt, jederzeit anpassbarÜbergangslösungen, geplanter Verkauf
Eine Aufteilung auf mehrere Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten verhindert, dass die gesamte Hypothek in einem einzigen ungünstigen Jahr erneuert werden muss.

Der häufigste Fehler ist nicht die Wahl des Modells, sondern die Fälligkeitsstruktur: Wer die ganze Hypothek auf einen einzigen Termin legt, hat an diesem Termin keine Verhandlungsposition. Zwei oder drei Tranchen mit versetzten Laufzeiten kosten nichts und schaffen genau diese Position.

Die Tragbarkeitsrechnung

Ob eine Bank finanziert, entscheidet nicht der aktuelle Zins, sondern eine Belastungsprobe. Sie rechnet mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent auf der Hypothek und mit 1 Prozent des Verkehrswerts für Nebenkosten und Unterhalt. Die Summe darf in der Regel höchstens einen Drittel des Bruttoeinkommens beanspruchen.

Rechenbeispiel Tragbarkeit

  • Verkehrswert: CHF 900'000
  • Hypothek: CHF 600'000 — Belehnung 67 Prozent
  • Kalkulatorischer Zins: CHF 600'000 × 5% = CHF 30'000 pro Jahr
  • Nebenkosten und Unterhalt: CHF 900'000 × 1% = CHF 9'000 pro Jahr
  • Kalkulatorische Belastung: CHF 39'000 pro Jahr, CHF 3'250 pro Monat
  • Bei einem Haushaltseinkommen von CHF 135'000: 29 Prozent — tragbar

Kalkulatorische Bankstandards nach der Berechnungs-Spezifikation. Objektwerte und Haushaltseinkommen entsprechen dem Musterhaushalt.

Der kalkulatorische Satz von 5 Prozent ist bewusst hoch angesetzt. Er bildet nicht den heutigen Zins ab, sondern testet, ob die Finanzierung auch ein deutlich höheres Zinsniveau überstehen würde. Wer diese Hürde nur knapp nimmt, hat kein Zinsproblem, sondern ein Einkommensproblem — und sollte die Rechnung für die Zeit nach der Pensionierung sofort mitmachen.

Belehnung und Amortisation

Die Belehnung ist das Verhältnis von Hypothek zu Verkehrswert. Im Beispiel: CHF 600'000 von CHF 900'000, also 67 Prozent. Je tiefer die Belehnung, desto geringer das Risiko der Bank — und desto besser in der Regel die Kondition.

Die meisten Banken teilen die Finanzierung in eine erste und eine zweite Hypothek. Die zweite muss innerhalb einer vertraglich festgelegten Frist amortisiert werden. Die konkreten Belehnungsgrenzen und Amortisationsvorgaben stehen in den Richtlinien der jeweiligen Bank und im Kreditvertrag — sie gehören vor der Unterschrift gelesen und nicht danach.

Amortisieren lässt sich direkt (die Schuld sinkt) oder indirekt (der Betrag fliesst in die Säule 3a und wird erst bei deren Auszahlung an die Hypothek angerechnet). Die indirekte Variante erhält den Schuldzinsabzug und nutzt den 3a-Abzug — dafür bleibt die Schuld nominal bestehen, was bei der Tragbarkeitsrechnung weiterhin voll zählt.

Vorbezug oder Verpfändung — der teure Unterschied

Für den Erwerb von selbstbewohntem Wohneigentum darf Vorsorgekapital aus der Pensionskasse und der Säule 3a eingesetzt werden. Dafür gibt es zwei Wege, die sich langfristig stark unterscheiden.

Vorbezug und Verpfändung im Vergleich
VorbezugVerpfändung
Kapitalwird ausbezahltbleibt in der Vorsorge
Altersguthabensinkt dauerhaftunverändert
Alters-, Invaliden- und Hinterlassenenrentensinken entsprechendunverändert
Steuern im BezugsjahrKapitalleistungssteuer fälligkeine
Eigenmittelerhöht die Eigenmittelerhöht die Sicherheit
Rückgängig zu machenja, mit Rückzahlung und Steuerrückerstattungentfällt bei Ablösung
Risikodauerhaft tiefere VorsorgeZugriff der Bank im Verwertungsfall

Ein Vorbezug aus der Pensionskasse ist damit weit mehr als eine Umbuchung: Er reduziert nicht nur die spätere Altersrente, sondern auch die Invaliden-, Ehegatten- und Waisenrenten, weil diese aus demselben Guthaben abgeleitet werden. Wer CHF 100'000 vorbezieht, verliert bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent rechnerisch CHF 567 Rente pro Monat — lebenslang.

Prüfen Sie die Risikoleistungen vor dem Vorbezug

Viele Reglemente kürzen nach einem Vorbezug auch die Todesfall- und Invalidenleistungen. Genau in dem Moment, in dem die Familie eine Hypothek zu tragen hat, sinkt also die Absicherung für den Fall, dass ein Einkommen wegfällt. Lassen Sie sich die Auswirkungen von Ihrer Kasse schriftlich bestätigen, bevor Sie den Antrag stellen.

Vorbezug rechnen, bevor Sie ihn beantragen

Die Vorsorge-Analyse zeigt, wie sich Ihr Pensionskassen-Guthaben auf Ihre Renten auswirkt — im Alter, bei Invalidität und im Todesfall.

Die Tragbarkeit nach der Pensionierung

Mit der Pensionierung sinkt das anrechenbare Einkommen deutlich, die kalkulatorische Belastung der Hypothek jedoch nicht. Die Tragbarkeitsrechnung wird deshalb neu gestellt — und viele Haushalte fallen genau hier durch.

Dasselbe Objekt, zwei Lebensphasen

  • Während der Erwerbstätigkeit: 29 Prozent — tragbar
  • Nach der Pensionierung: 46 Prozent — nicht mehr tragbar

Musterhaushalt: Erwerbseinkommen CHF 135'000, Renteneinkommen aus AHV und Pensionskasse CHF 7'002 pro Monat. Kalkulatorische Belastung unverändert CHF 39'000 pro Jahr.

Die Bank verlangt in solchen Fällen eine Amortisation, also eine Rückzahlung eines Teils der Hypothek. Das Geld dafür stammt häufig aus dem Kapitalbezug der Pensionskasse — was die Rentenlücke vergrössert und den Entscheid zwischen Kapital und Rente vorwegnimmt. Genau deshalb gehört die Hypothek fünf Jahre vor der Pensionierung auf den Tisch und nicht im Jahr davor.

Tragbarkeit im Ernstfall

Zins und Amortisation laufen weiter, wenn ein Einkommen wegfällt. Die beiden Ernstfälle wirken unterschiedlich, aber in dieselbe Richtung:

  • Erwerbsunfähigkeit: Die gesetzliche Deckung liegt für Personen ohne Kinderrenten typischerweise bei 50 bis 60 Prozent des Lohns. Die Tragbarkeitsquote steigt entsprechend. Mehr zur Erwerbsunfähigkeit.
  • Todesfall: Der Zivilstand entscheidet, ob überhaupt eine Partnerrente fliesst. Bei Konkubinatspaaren fällt aus der AHV nichts an. Mehr zur Hinterlassenenvorsorge.

Für beide Fälle lohnt dieselbe Rechnung: kalkulatorische Belastung geteilt durch das dann verfügbare Einkommen. Liegt das Ergebnis über einem Drittel, ist das Eigenheim ohne zusätzliche Absicherung nicht gehalten. Die Vorsorge-Analyse rechnet die Tragbarkeit in allen drei Szenarien mit — Alter, Invalidität und Todesfall.

Weiterführende Seiten

  • Säule 3a

    Vorbezug für Wohneigentum, Staffelung und die Steuerwirkung der Einzahlungen.

  • Pensionskasse

    Wie ein Vorbezug das Altersguthaben und alle daraus abgeleiteten Renten reduziert.

  • Pensionierung planen

    Der Fahrplan, in dem die Prüfung der Hypothek fünf Jahre vor dem Rücktritt steht.

  • Todesfall und Hinterlassene

    Was aus der Hypothek wird, wenn ein Einkommen wegfällt.

Häufige Fragen zu Hypothek und Tragbarkeit

Wie rechnen Banken die Tragbarkeit einer Hypothek?

Mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent auf der Hypothek plus 1 Prozent des Verkehrswerts für Nebenkosten und Unterhalt. Die Summe darf in der Regel höchstens einen Drittel des Bruttoeinkommens beanspruchen. Der kalkulatorische Satz hat nichts mit dem tatsächlich bezahlten Zins zu tun — er ist eine Belastungsprobe.

Warum veröffentlichen Sie keine aktuellen Hypothekarzinsen?

Weil sie sich laufend ändern und eine veröffentlichte Zahl innerhalb weniger Tage falsch ist. Aussagekräftig sind nicht Schaufensterzinsen, sondern die Offerten, die Sie für Ihr konkretes Objekt, Ihre Belehnung und Ihre Bonität erhalten — und die verhandelbar sind.

Was ist der Unterschied zwischen Vorbezug und Verpfändung?

Beim Vorbezug wird Vorsorgekapital ausbezahlt und als Eigenmittel eingesetzt. Das Guthaben sinkt, alle daraus abgeleiteten Renten sinken mit, und der Bezug wird als Kapitalleistung besteuert. Bei der Verpfändung bleibt das Kapital in der Vorsorge und dient nur als Sicherheit: Die Renten bleiben unangetastet, und im Bezugsjahr fällt keine Steuer an.

Ist meine Hypothek nach der Pensionierung noch tragbar?

Das muss vorher gerechnet werden. Im Beispiel dieser Seite steigt die Tragbarkeitsquote beim Übergang vom Erwerbseinkommen auf das Renteneinkommen von 29 auf 46 Prozent — die Belastung bleibt gleich, das anrechenbare Einkommen sinkt. Banken verlangen dann oft eine Amortisation.

Was passiert mit der Hypothek bei Invalidität oder Tod?

Die Zins- und Amortisationspflicht läuft weiter, das Einkommen aber nicht. Deshalb gehört die Tragbarkeit auch für den Invaliditäts- und den Todesfall gerechnet — die Versicherungssumme einer Todesfallabsicherung orientiert sich unter anderem daran.

Hält Ihr Eigenheim auch ohne Erwerbseinkommen?

Die Vorsorge-Analyse rechnet die Tragbarkeit für Alter, Invalidität und Todesfall mit.